
Kevin Fischbach (Link zum LinkedIn-Profil) ist Quereinsteiger im HR-Bereich und heute verantwortlich für HR Operations in einem Logistikunternehmen. Im Gespräch mit Sandra Zemke spricht er darüber, warum Recruiting weit mehr ist als eine Stellenanzeige – und warum Flexibilität, Kulturarbeit und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Teambedarfen den Unterschied machen. Für alle, die im Recruiting-Alltag bessere Entscheidungen treffen wollen, steckt in diesem Interview echte Orientierung.
Im Mittelpunkt stehen drei große Themen: internes Recruiting als Chance für junge Talente und Quereinsteiger, die bewusste Auseinandersetzung mit Teamkultur statt blindem „Cultural Fit" und die Rolle von Hiring Managern bei der Stellenbesetzung. Kevin teilt dabei seine Erfahrungen aus einem Umfeld, in dem er in zwei Jahren zahlreiche Stellen besetzt hat – und erklärt, warum gute Vorbereitung am Anfang allen Beteiligten Zeit und Frust spart.
Der Seitenwechsel. Kevin war selbst Führungskraft in anderen Bereichen, bevor er in den HR-Bereich wechselte. Erst als er auf der Recruiting-Seite stand, wurde ihm klar, wie wichtig eine wirklich detaillierte Auseinandersetzung mit der Stelle und dem Team ist. Vorher dachte er, ein gutes Bauchgefühl und ein paar Fragen reichen aus. Heute weiß er: Je genauer das Briefing, desto besser das Ergebnis.
Kevins ehrliche Antwort: überall. Viele Hiring Manager verlassen sich auf ihr Gefühl und auf das, was schon da ist. Sie gehen nicht in die Auseinandersetzung, was sie wirklich brauchen – und ob vielleicht gerade eine Person mit anderen Stärken, einem anderen Hintergrund oder einer anderen Persönlichkeit genau der richtige Impuls wäre.
ALLES. Kevin kommt aus der Finance-Richtung und bringt eine klare Haltung mit: Zahlen, Daten und Fakten helfen, Dinge vom Subjektiven ins Objektive zu bringen. HR-Teams sollten sich außerdem regelmäßig bewusst machen, was ihr konkreter Beitrag zum Unternehmenserfolg ist. Das sei die Eintrittskarte für ein gutes Standing in der Zukunft. ~
„Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem, was ich für mein Team und die Stelle brauche, ist essentiell."
„Sei dir bewusst, was du bist und was dir wichtig ist, und bleib dir treu."
Kevin hat in den letzten zwei Jahren zahlreiche Neubesetzungen verantwortet – der Großteil davon intern. Für ihn ist internes Recruiting mehr als eine Notlösung. Es ist eine bewusste Entscheidung, jungen Talenten aus der Ausbildung den Übergang in den ersten Job zu ermöglichen und Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern eine Chance zu geben.
Dabei geht er nicht stur nach Qualifikation vor. Er fragt sich: Was braucht mein Team gerade? Wo fehlt etwas – nicht nur fachlich, sondern auch von der Persönlichkeit her? Intern hat man den Vorteil, dass man die Menschen schon kennt und bei bisherigen Kolleginnen und Kollegen nachfragen kann. Aber Kevin betont: Am Ende muss er sich seine eigene Meinung bilden.
Internes Recruiting birgt auch Risiken. Wer sich intern bewirbt und nicht genommen wird, bekommt schnell einen Stempel. Anonyme Bewerbungsverfahren – wie sie anonyfy ermöglicht – können genau dieses Risiko reduzieren. Interne Talente können sich zeigen, ohne dass eine Absage zum sozialen Problem wird. (anonyfy)
Ein zentrales Thema im Gespräch: die Frage, ob „Cultural Fit" wirklich das richtige Kriterium ist. Kevin sieht das differenziert. Für ihn beginnt alles mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der Teamkultur.
„Was wichtig ist, ist die wirkliche Auseinandersetzung und auch das Aufschreiben: Wie ist unsere Kultur? Wie sind wir heute? Wo wollen wir hin?" – Kevin Fischbach
Wer nur ein vages Bauchgefühl hat, trifft keine guten Entscheidungen. Kevin empfiehlt, sich klar zu machen: Was wollen wir bewahren? Wo haben wir Lücken? Und können wir diese Lücken vielleicht gezielt mit neuen Menschen schließen?
Er hat erlebt, dass einzelne Personen einen echten Unterschied für ein ganzes Team machen können – weil sie Dinge anders angehen und den Rest mitziehen. Aber er warnt auch: Jemand, der zu 80 Prozent anders tickt als das bestehende Team, wird es schwer haben. Die Kunst liegt darin, gezielt neue Impulse zu setzen, ohne das Miteinander zu gefährden.
Wenn Recruiting-Entscheidungen zu stark auf Bauchgefühl und Ähnlichkeit basieren, werden genau die Menschen übersehen, die ein Team weiterbringen könnten. Anonyme Verfahren helfen, den Blick auf das zu lenken, was jemand wirklich mitbringt – statt auf das, was vertraut wirkt. (anonyfy)
Kevin kennt beide Seiten: Er war selbst Hiring Manager und hat auch das Recruiting verantwortet. Seine Erfahrung ist eindeutig – die Bandbreite bei Hiring Managern ist groß. Manche bereiten sich sorgfältig vor. Andere ziehen eine alte Stellenanzeige heraus, schreiben drei Sätze per E-Mail und erwarten, dass HR den Rest erledigt.
„Jede neue Person, die kommt, ist eine Riesenchance. Und ganz ehrlich, wenn das nicht passt und man dann auch noch die Probezeit verpasst, dann ist es zäh für alle." – Kevin Fischbach
Sein Appell: Hiring Manager sollten sich vorher intensiv mit der Frage beschäftigen, was sie wirklich suchen. Nicht nur fachlich, sondern auch kulturell. Wie ist die Situation im Team? Wo soll es hingehen? Welche Aufgaben können umverteilt werden, je nachdem, welches Erfahrungslevel die neue Person mitbringt?
In seinem aktuellen Unternehmen läuft das gut: Das Recruiting fordert klare Anforderungen ein – schriftlich und in einem Briefinggespräch zusammen mit dem HR Business Partner. Das spart am Ende Zeit und führt zu besseren Ergebnissen.
Kevin hat in seinem Team bewusst Einstiegspositionen geschaffen. Auf jedem Level gibt es die Möglichkeit, einzusteigen und sich weiterzuentwickeln. Für ihn ist Perspektive einer der wichtigsten Faktoren für Motivation.
„Perspektive ist mit das Wichtigste, was die meisten haben wollen. Nicht alle, das ist auch ok, aber die meisten wollen irgendwie eine Perspektive haben, wo es hingehen kann." – Kevin Fischbach
Er erinnert sich selbst daran, wie viele Menschen in ihn investiert haben, als er mit 26 ins Berufsleben einstieg. Dieses Weitergeben treibt ihn an. Wenn ein ehemaliger Werkstudent sich nach über zehn Jahren meldet und sagt, dass er sich noch an Kevins Impulse erinnert – dann ist der Auftrag erfüllt.
Kevin bringt aus seiner Finance-Vergangenheit eine klare Überzeugung mit: HR braucht mehr Zahlen. Nicht, um alles in Kennzahlen zu pressen, aber um vom Subjektiven ins Objektive zu kommen. Er hat sein Team in Lean-Methoden schulen lassen und ermutigt alle Teammitglieder, regelmäßig an die Standorte zu gehen, die sie betreuen – um zu sehen, für wen sie eigentlich arbeiten.
Sein Punkt: HR-Teams müssen ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg sichtbar machen. Das ist die Grundlage für ein gutes Standing – heute und in Zukunft.
Auch im Recruiting lassen sich Entscheidungen besser auf Fakten stützen. Anonyme Verfahren liefern eine objektivere Grundlage für die Auswahl, weil sie den Fokus auf Kompetenzen und Motivation legen – nicht auf Namen, Fotos oder Lebensläufe, die unbewusste Vorurteile auslösen können. (anonyfy)
Kevin Fischbach zeigt in diesem Gespräch, was passiert, wenn jemand mit Führungserfahrung aus anderen Bereichen auf HR trifft: Der Blick wird weiter, die Fragen werden ehrlicher und die Entscheidungen besser. Sein Ansatz – flexibel bleiben, Kultur bewusst gestalten und in Menschen investieren – ist genau das, was Recruiting im Dialog sichtbar machen will. Echte Einblicke von Menschen, die Recruiting nicht als Verwaltungsakt verstehen, sondern als Chance für alle Beteiligten.
Das ganze Interview ist hier zu finden: YouTube
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