
... – sondern die, die euer Team stärker macht!
Katharina Fricke (Link zum LinkedIn-Profil) bringt rund 25 Jahre Berufserfahrung aus Konzernen, Familienunternehmen und dem öffentlichen Dienst mit. Im Gespräch erzählt sie über gutes Recruiting im Startup, warum Lebensläufe oft in die Irre führen, wie ein kleines Team bessere Einstellungsentscheidungen treffen kann – und was eine schwere Erkrankung an ihrer Haltung zu Entscheidungen verändert hat.
Katharina leitet aktuell den Personalbereich beim Biotech-Startup Bluu, das fischbasierte Zellen entwickelt, die künftig als Zutat für Lebensmittel, Tiernahrung und weitere Anwendungen, beispielsweise im Care-Bereich, eingesetzt werden können. Ziel ist es, nachhaltige Alternativen zu schaffen und natürliche Ressourcen zu schonen.
Ich habe Katharina als einen Menschen mit einem besonderen Blick aufs Leben kennenlernen dürfen, der diese Werte insbesondere auf das Unternehmen und die Menschen darin zu übertragen weiß.
Dieses Gespräch dreht sich um eine der wichtigsten Fragen im Recruiting: Wie findest du im Startup die richtige Person – und nicht nur die naheliegende? Katharina Fricke spricht über die besondere Herausforderung, in einem Startup mit begrenzten Ressourcen einzustellen, über unbewusste Muster in Auswahlprozessen und darüber, warum HR-Verantwortliche sich selbst kennen müssen, bevor sie andere beurteilen. Außerdem teilt sie eine sehr persönliche Erfahrung, die ihre Art zu arbeiten grundlegend verändert hat.
„Ich stehe für einen ehrlichen und respektvollen Umgang miteinander. Menschen verbringen einen großen Teil ihres Lebens bei der Arbeit – deshalb ist es mir wichtig, dass sie sich gesehen, ernst genommen und wertgeschätzt fühlen.
Was mich dabei besonders prägt, ist der Versuch, mich in andere Menschen und ihre Situation hineinzuversetzen. Egal ob Mitarbeitende, Führungskräfte oder Geschäftsführung – jede Person betrachtet Dinge aus einem anderen Blickwinkel.
Hinter jeder Entscheidung, jeder Reaktion und jedem Verhalten steckt eine Geschichte, die wir oft nicht kennen. Deshalb versuche ich zunächst zu verstehen, statt vorschnell Schlüsse zu ziehen.
Gleichzeitig gehören für mich Wertschätzung und Ehrlichkeit zusammen. Menschen verdienen Offenheit, Klarheit und Respekt – gerade dann, wenn Situationen herausfordernd werden.“
"Ich habe sehr unterschiedliche Organisationen und Arbeitswelten kennengelernt – und genau das hat mich geprägt. In mittlerweile rund 25 Berufsjahren habe ich in einem Großkonzern, in zwei Familienunternehmen, im öffentlichen Dienst und heute in einem Biotech-Startup gearbeitet. Jede dieser Organisationen hat ihre eigene Kultur, ihre eigenen Stärken und Herausforderungen.
Diese Vielfalt hat meinen Blick auf Menschen, Führung und Zusammenarbeit geprägt. Sie hilft mir heute dabei, Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und nicht vorschnell zu urteilen. Mein beruflicher Weg begann im juristischen Umfeld und führte mich über die Immobilienbranche schließlich in das Personalwesen, in dem ich heute meine berufliche Heimat gefunden habe."
"Früher habe ich stärker auf Lebensläufe geschaut. Heute interessiert mich viel mehr, wie Menschen denken, lernen und mit anderen zusammenarbeiten. Fachliche Lücken kann man oft schließen – Charakter, Haltung und der Umgang mit anderen sind deutlich schwieriger zu entwickeln."
"Talente werden häufig dort übersehen, wo Lebensläufe nicht dem klassischen Idealbild entsprechen. Nicht jeder Mensch hat studiert, eine Bilderbuchkarriere verfolgt oder lückenlos jede Karrierestufe durchlaufen.
Ich habe im Laufe meiner Karriere viele Menschen kennengelernt, die sich ihr Wissen und ihre Kompetenzen über Jahre in der Praxis erarbeitet haben. Berufserfahrung, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, sagen oft mehr über einen Menschen aus als Titel oder Abschlüsse. Deshalb interessieren mich Zeugnisse meist deutlich weniger als ein persönliches Gespräch oder die Einschätzung eines ehemaligen Vorgesetzten."
Genau hier setzt anonyfy an. Wenn Lebensläufe den Blick auf das Wesentliche verstellen, hilft es, den Fokus bewusst auf Kompetenzen und Potenzial zu lenken – statt auf Abschlüsse und Lücken. anonyfy ermöglicht genau das, indem persönliche Daten im ersten Schritt ausgeblendet werden und die fachliche Eignung in den Vordergrund rückt. (anonyfy)
"Ob sie wirklich nach Potenzial suchen oder unbewusst nach Vertrautem. Viele Prozesse wirken objektiv, belohnen aber Menschen, die bereits denjenigen ähneln, die schon im Unternehmen sind."
"In einem Startup gibt es selten Standardlösungen. Entscheidungen müssen oft mit wenigen Informationen getroffen werden, während sich Rahmenbedingungen ständig verändern. Gleichzeitig ist der Einfluss einzelner Menschen deutlich größer als in großen Konzernen.
"Eine gute Einstellung kann ein Team über Jahre prägen. Eine schlechte Einstellung kann ein kleines Unternehmen hingegen lange beschäftigen." Katharina Fricke
Meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen helfen mir, wirtschaftliche und menschliche Perspektiven zusammenzuhalten. Im Startup zeigt sich dabei schneller als anderswo: Wer das eine ohne das andere denkt, macht Fehler. Wer nur auf Zahlen schaut, verliert Leute. Wer nur auf Stimmung schaut, verliert das Unternehmen."
Du hast schon einiges erlebt, was deinen Blick auch auf die Unternehmens- und Arbeitswelt verändert hat. Möchtest du uns darüber etwas mehr erzählen?
"Im letzten Jahr war ich schwer erkrankt und von einem Tag auf den anderen aus meinem Arbeitsalltag herausgerissen. Ohne Vorwarnung, ohne Übergangszeit.
Was sich seitdem verändert hat, ist weniger meine Haltung zu Menschen – die war schon vorher da – sondern meine Haltung zu Entscheidungen. Ich schiebe nichts mehr lange vor mir her. Ich weiß, dass unerledigte Aufgaben und nicht erreichte Ziele im großen Ganzen sehr kleine Probleme sind. Und ich weiß, dass man Dinge Schritt für Schritt angehen muss – und manchmal auch gut sein lassen.
Was ich nicht erwartet hatte: dass diese Resilienz meiner Arbeit gut tut. Ich treffe heute schneller Entscheidungen, übernehme mehr Verantwortung, und entlaste damit auch meine Kollegen. Ich bin mehr Wegbereiter als Wegbegleiter geworden. Das war nicht das Ziel – aber es ist ein echtes Ergebnis."
Im Startup ist das Recruiting ja umso wichtiger, da ihr einerseits sparsam mit Ressourcen umgehen müsst, aber andererseits in einem kleinen Team jede oder jeder Einzelne einen viel höheren Impact hat. Wie geht ihr mit der Herausforderung um, nicht zu sehr nach Sympathie und Ähnlichkeit zu entscheiden?
"Sympathie spielt immer eine Rolle – das wäre unehrlich zu leugnen. Aber wir versuchen, das durch den Prozess selbst zu steuern.
Bei uns screenen zuerst die Fachverantwortlichen – ohne HR-Filter. Wer fachlich interessant ist, kommt in ein erstes Interview von maximal 30 Minuten, das ausschließlich fachlich ist. Erst im zweiten Gespräch komme ich dazu – und dann führe ich. Nicht der Team Lead. Das ist eine bewusste Entscheidung: Kulturfit und Gesprächsdynamik liegen bei HR, nicht beim Hiring Manager. Der Team Lead ergänzt, aber er steuert nicht.
Am Ende steht ein persönliches Gespräch im HQ – mit Führung und Teamkennenlernen. Das ist kein netter Zusatz, sondern ein echter Schritt im Prozess. Wir wollen sehen, wie jemand sich in der Realität verhält – und die Person soll uns erleben, nicht nur eine Präsentation von uns.
In der Regel dauert das alles nicht länger als sechs Wochen. Für uns ist das lang genug, um eine gute Entscheidung zu treffen – und kurz genug, um gute Kandidaten nicht zu verlieren."
Welchen einen Satz würdest du jedem Hiring Manager gern mit auf den Weg geben?
"Stellt nicht die Person ein, mit der ihr am liebsten einen Kaffee trinken würdet – sondern die Person, die euer Team stärker macht."
Welchen einen Satz würdest du jedem Talent gern mit auf den Weg geben?
"Ein Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Auch wir bewerben uns bei euch. Deshalb: Stellt die Fragen, die euch wirklich interessieren — nach Arbeitsweise, Werten, dem Team. Nicht nur nach Gehalt und Benefits. Was jedem Menschen wichtig ist, ist verschieden — aber nur wer tiefer gräbt, findet heraus, ob es wirklich passt."
"Kennt euch selbst — bevor ihr anfangt, andere zu beurteilen. HR ist eine der wenigen Rollen, in der die eigene Persönlichkeit direkt zur Unternehmenskultur wird. Ich habe meinen Stil und meine Werte bewusst in Bluu eingebracht — und das hat das Unternehmen geprägt. Wer sich dessen nicht bewusst ist, prägt trotzdem. Nur unkontrolliert."
Katharina Fricke zeigt in diesem Gespräch, was passiert, wenn Erfahrung, Ehrlichkeit und ein klarer Blick auf Menschen zusammenkommen. Ihre Perspektive macht deutlich: Gutes Recruiting beginnt nicht beim Lebenslauf, sondern bei der Frage, was ein Team wirklich braucht – und bei der Bereitschaft, die eigenen Muster zu hinterfragen.
Genau darum geht es bei Recruiting im Dialog: echte Einblicke von Menschen, die Recruiting jeden Tag gestalten. Für alle, die es besser machen wollen.
Was denkst du?